Beschreibung
des Rittergutes von Cornelius Gurlitt, 1910:
"Das Herrenhaus der Rittergutes brannte 1638 nieder und wurde bald
darauf wiederhergestellt, 1768 aber vom Landesältesten Gottlob August
von Leubnitz auf Friedersdorf (gest. 1775) abgebrochen und neu
errichtet. 1882 wurde es vollständig
umgebaut, 1898 vom Staat mit Wirtschaftsgebäuden und Grundbesitz
angekauft.
Einfaches Haus von 5 Fenstern Front, ursprünglich mit nur einem
Geschoß und Dachausbau im Mittelrisalit; teilweise umgebaut. An den
Ecken des Gebäudes und den
Seiten der Mittelvorlage moderne Quaderung in Putz. Das Obergeschoß
modern.
Die Decken mit Kehlen und Rundstableiste. Im Mittelzimmer erhielten sich
zwei barocke
Kamine mit nach unten geschweiftem Sturz und darüber befindlichen
Pfeilerspiegeln.
Niedrige Wandverkleidung mit hölzernen Rahmen und geputzten Feldern.
Bemerkenswert ist die hübsche Anlage eines von Linden beschatteten
laubenartigen Platzes in der Mitte vor dem Herrenhause, von dem mehrere
Stufen herabführen.
Die Steinpfeiler der Brüstung mit barocken Füllungen. Das vorliegende
Gelände ist nach
dem Hofe zu terrassenförmig abgetreppt. Vor dem Austritt ein kleiner
Teich. Im weiteren
Verlaufe der Achse die Spitze des Kottmarsdorfer Kirchturmes in 6,5 km
Entfernung.
Eine alte Lindenallee führt durch das alte Gutsgehöft. Nordwestlich,
im Parke, ein
Forellenwasser; die Litte.
Die Torpfeiler mit Kugeln.
Sonnenuhr, kannelierte Säule, gegen 140 cm hoch. Auf der Deckplatte ein
Messingwinkel.
Zwei Steinkreuze standen bis zur Zeit des Bahnbaues halbversunken im
Höllental. Auf dem einen Stein war ein Armbrust eingemeißelt.
Angeblich führte sie die Sage - vielleicht hier wegen der Waffe nicht
ohne Berechtigung - auf die Hussitenzeit zurück."
Nach dem 8. Mai 1945 verfügte die
sowjetische Besatzungmacht über das Anstaltsgut.
1949 erhielt der deutsche Staat das Gut zurück und die Heil- und
Pflegeanstalt bekam
es wieder in ihre Verfügungsgewalt.
Ab 1.1.1953 wurde das Gut von der Verwaltung Volkseigener Güter (VVG)
übernommen.
Es entstand somit das Volkseigene Gut (VEG) Großschweidnitz, dem
weitere Güter
angeschlossen wurden. Ein Vertrag zwischen dem VEG und der
Krankenanstalt
regelte die Beschäftigung Geisteskranker auf dem Gut. Räume des
Herrenhauses
wurden von der Rehabilitierungsabteilung der Krankenanstalt genutzt.
Bis in das Jahr 1990 wurde eine leistungsstarke Tierproduktion
aufgebaut.
1991 endete jegliche volkseigene Produktion.
Heute wird das Gut in Privatbesitz weiterbetrieben.
Literatur: Johanna Wolf - Chronik von Großschweidnitz und
Kleinschweidnitz, Teil 4. |