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Bahnbetriebswagenwerk Löbau/Sachsen
1918-1998
Erinnerungen

Chronik des Bww Löbau 1918 - 1988 >>> bww-loebau-1918-1988.PDF
Chronik des Bww Löbau 1988 - 1998 >>> bww-loebau-1988-1998.pdf

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Mitarbeiter des Bww Löbau:

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Vorwort
Das Bahnbetriebswagenwerk Löbau (Bww Löbau) war mit seinen Wagenausbesserungsstellenstellen (Was) in Görlitz, Zittau, Bautzen und Kamenz bis 1998
für die Wartung und Reparatur von Güter - und Reisezugwagen für die Deutsche Reichsbahn/Deutsche Bundesbahn zuständig und mit bis zu 350 Beschäftigten ein bedeutender Arbeitgeber in Ostsachsen.
Mit zunehmendem Straßenverkehr in der Nachwendezeit ging der Bestand 
an Güter - und Reisezugwagen bei der Bahn kontinuierlich zurück. 
Die schlechte bauliche und technische Ausstattung der Werkstatt Löbau und der Außenstellen, sowie deren Auslastung, führten zwangsläufig zur Schließung.
Die Ausbesserung der Wagen wurde ab 1993 schrittweise in das rekonstruierte Betriebswerk Görlitz überführt.
Die Werkstatt Löbau, an der Weißenberger Straße wurde im Jahre 1998 geschlossen.


Wie alles begann

Die zunehmende Industrialisierung am Anfang des 20. Jahrhunderts und der damit verbundenen Anstieg der Transportleistungen, stellte die Königlich-Sächsische Staatseisenbahn vor zunehmende Aufgaben. 
Immer mehr Güterwagen, aber auch Reisezugwagen wurden eingesetzt. 
Für die Wartung und Reparatur mussten nun Ausbesserungsstellen geschaffen werden. Deshalb beschloss 1915 die Eisenbahndirektion Dresden für den ostsächsischen Raum
das Bahnbetriebswagenwerk Löbau zu gründen.
Das Bww Löbau sollte örtlich zum Bahnhof gehören und doch nicht das Bahnhofsgelände einengen. Bei km 1,8 wurde im Bogen der  Weißenberger Strecke ein Gelände von 500 m Länge und 30 m Breite festgelegt. Das Gelände musste, bedingt durch die Gleislage, 5 m tief abgegraben und abgefahren werden. Dabei mussten ca. 75000 kbm gewachsener Boden bewegt werden.
Eine Werkhalle von 50m Länge und 25m Breite, in Holzbauweise mit 2 Gleisen wurde geplant.
Im Herbst 1917 wurde mit dem Bau begonnen. Verantwortlich dafür war der erste Vorsteher Alwin Noack. Unter seiner Leitung wurde am 1. April 1918 das Bahnbetriebswagenwerk Löbau in Betrieb genommen. Ausgebessert wurden mit 11 Beschäftigten nur Güterwagen. Die hauptsächlichen Arbeiten waren Holzarbeiten am Boden und am Wagenkasten der Güterwagen. Da das Schweißen noch nicht erfunden war, mussten alle Metallverbindungen genietet werden -eine Knochenarbeit.
Am 1. April 1920 kam es durch Vereinigung der Länderbahnen zur Gründung der Deutschen Reichsbahn.
Die Anzahl der Beschäftigten im Bww stieg mit erhöhter Ausbesserungsleistung und die technische Ausstattung wurde bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs ständig verbessert.
Der Vorsteher Alwin Noack wurde 1938 zu einer anderen Dienststelle versetzt, regimetreue Nazis übernahmen die Leitung.

Wilfried Rettig von der Historischen Eisenbahn-Uniformgruppe Minden  in der
Uniform eines Königlich preußischen Oberbahnmeisters


Gleis- und Lageplan


Beschäftigte im Jahre 1935


Güterwagenausbesserung, 1954

In den Kriegsjahren wurden verstärkt Güterwagen für die Wehrmacht ausgebessert. Dafür wurden zusätzlich französische- später auch sowjetische Kriegsgefangene eingesetzt.
Im April 1945 mussten auf Befehl der Nazis alle Maschinen und Werkzeuge abgebaut und in Güterwagen verladen werden, damit sie nicht der heranrückenden Roten Armee in die Hände fallen. Die Werkstatt wurde geschlossen.


Der Neuanfang
Am 12. Mai 1945 wurde die Arbeit im Bww schrittweise wieder aufgenommen. Im Vordergrund stand die Ausbesserung von Güterwagen, da im Bereich des Bww Löbau noch keine Reisezugwagen beheimatet waren. Es wurden nur Reisezugwagen
fremder Dienststellen ausgebessert.


Nationales Aufbauprogramm Berlin, 1952


"Fahrt frei", 1955

Auf den Bahnhöfen Löbau, Bautzen und Görlitz wurden nach und nach sog. Schnellausbesserungsstätten (Sas) eingerichtet, die später in Wagenausbesserungsstellen (Was) umbenannt wurden. Um 1980 kam auch die Was Kamenz zum Bww Löbau.
Der Bahnhof Zittau erhielt je eine Werkstatt für Normalspurwagen und Schmalspurwagen. Diese Werkstätten und die Sas gehörten zum  Bww Löbau.  
Am 5. Oktober 1945 wurde durch Veränderung der Reichsbahn-Direktionen (Rbd) die Rbd Cottbus gegründet, der auch das Bww Löbau zugeordnet wurde.
Leiter der Verwaltung Wagenwirtschaft wurde Johannes Gallert bis 1982, 
ihm folgte Klaus Herold.


Was Görlitz

Was Zittau

Was Löbau

In den folgenden Jahren nach 1960 wurden immer mehr Reisezugwagen im Bww Löbau beheimatet. Dadurch mussten in der Werkstatt Löbau die baulichen Anlagen erweitert werden. 1960 wurde eine Beschäftigtenzahl von 260 erreicht.


Qualifizierungslehrgang für Schlosser
1960


Ausbesserungsbrigade
Bretschneider
1962


Ausbesserungsbrigade Bretschneider
1964


Ausbesserungsbrigade Bretschneider
1965

Bis 1965 wurde die Beleuchtung in den Reisezugwagen von Ölgasbeleuchtung auf elektrische Beleuchtung umgestellt, alle neueren Reisezugwagen zusätzlich zur Dampfheizung mit elektrischer Heizung ausgerüstet.
Die elektrischen Einrichtungen der Reisezugwagen machten es erforderlich, speziell ausgebildete Fahrzeugelektriker zur Wartung und Reparatur einzusetzen. Als Meister
für 5 Elektriker und 2 weibliche Batteriepfleger wurde 1966 Wilhelm Anders berufen.

Brigade Fahrzeugelektrik
1968

Mobile Außenreinigung, 1985

Schmalspurbahn Zittau, 1985

Im Jahre 1970 wurden dem Bww Löbau Reisezugwagen für den innerdeutschen Verkehr  zubeheimatet und auf den Strecken 
- Görlitz - Köln, mit Kurswagen nach Paris,
- Görlitz - Frankfurt/M.
- Görlitz - München
eingesetzt - Reisezugwagen aus dem Neubauprogramm des  VEB Waggonbau Bautzen.


Zuglaufschilder


Generatoranlage prüfen
1975

Brigadeausfahrt
1975

Polterabend
1978

Erfahrungsaustausch
1978
Der Bahnhof Görlitz, als Einsatzbahnhof des grenzüberschreitenden
Verkehrs, erhielt eine besondere Bedeutung für die Wartung der
Reisezugwagen. Manfred Zill wurde 1971 als Brigadier für die
Schlosser und Elektriker auf dem Bahnhof eingesetzt.
Peter Emrich wurde zum gleichen Zeitpunt Brigadier in der
Werkstatt Löbau.
1973 wurde der Vorsteher des Bww, Herbert Trentzsch, durch
Gerold Schoen abgelöst.


Leiter der Dienststelle, 
Gerold Schoen
1986

Erinnerung an Walter Bartsch.
Jeder Bww-Mitarbeiter wird sich an ihn erinnern.
Er war Wagenmeister, Arbeitsabnehmer und Werkmeister.
Besonders seine kompromisslose Einstellung zu
Qualitätsarbeit war sein Markenzeichen.
Foto von Silvio Bartsch, 1986

1977 erfolgte die Zusammenlegung der Gruppe Technischer Wagendienst mit dem Bww Löbau. Damit wurden die Wagenmeister von Löbau, Görlitz, Schlauroth, Bautzen und Zittau und die Wagengrenzstellen Görlitz, Zittau und Ebersbach mit dem Bww Löbau vereinigt. Leiter der Dienststelle für 350 Beschäftigte wurde Gerold Schoen.

Wagenmeisterposten Görlitz 1970

Das Bww Löbau hatte nun eine große Bedeutung innerhalb der Reichsbahndirektion Cottbus für die Ausbesserung von Güter- und Reisezugwagen.

Betriebslöschgruppe
1975

Spreewaldfahrt
1975

Heizungs-Prüffeld
1977

Heizungs-Prüffeld
1977

Im Fahrplan 1986/87 waren im Bww Löbau 437 Reisezugwagen und 
58 Schmalspur-Reisezugwagen beheimatet.
Mit dem Neuererwesen, dem Sozialistischen Wettbewerb der Dienststellen und den Jugendbrigaden wurde versucht die Ergebnisse des Wagenausstoßes in den Werkstätten, sowie die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Investitionen in die Werkstätten wurden kaum vorgenommen.


Prüfraum
1977

Batteriepflege
1982

Treppenneubau
1986

Radsatzwechsel
1986

Mehrzweckgebäude
1984

Elektro -u. TA-Werkst.
1984

Heizkesselwagen
1986

PKW-Überdachung
1987

Am 1. April 1988 begingen die Beschäftigten das 70-jährige Bestehen des Bww Löbau. Die Feierstunde fand im Kreiskulturhaus Löbau, (ehem. Schützenhaus) statt.

Brigadeausfahrt
1985

MMM-Kollektiv
1988

Besuch der Zentralen MMM
  in Leipzig, 1988

Der Sozialistische Wettbewerb für das Jahr 1989 stand unter der Losung:
Hohe Leistungen zum Wohle des Volkes und für den Frieden-
Alles für die Verwirklichung der Beschlüsse des
XI. Parteitages der SED - Vorwärts zum 40. Jahrestag der DDR

Überall, so auch im Bww, machte sich die Mangelwirtschaft bemerkbar. Material und Ersatzteile fehlten ständig. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit dem herrschenden Regime wuchs täglich. Protestveranstaltungen in der ganzen DDR
führten schließlich am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, 
zum Sturz des Herrschaftsapparates.
Im September 1990 wurde die Deutsche Reichsbahn in den Öffentlichen Dienst überführt. Es wurde eine Arbeitnehmervertretung (ÖPR) gewählt. Vorsitzender des Personalrates wurde Peter Emrich bis 1992. 
Danach wurde Andreas Dalbkermeyer als Vorsitzender des ÖPR gewählt.

Personalratsschulung
in Kobern Gondorf
Okt. 1990

Im Oktober 1990 wurde die Reichsbahndirektion Cottbus aufgelöst und das Bww Löbau kam zur Rbd Dresden.
Der beheimatete Wagenpark bestand aus 430 Reisezugwagen plus 
58 Schmalspurwagen.
Am 1. Juli 1991 wurden bei der DR die Tarifverträge LTV-DR und AnTV-DR eingeführt. 
27 Beschäftigte erhalten keinen leistungsbezogenen Arbeitsplatz.
Von nun an ging der Personalabbau unaufhaltsam weiter.
1993 wurden dem Bww Löbau 38 Inter Regio-Reisezugwagen zubeheimatet. Die Güterwagen-Ausbesserungsstellen (Was) in Löbau, Kamenz und Bautzen wurden geschlossen.
Am 1. Januar 1994 erfolgte die Gründung  der Deutschen Bahn Aktiengesellschaft (DB AG). Das Bww Löbau hörte auf offiziell zu existieren, es wurde ein Werkteil des Geschäftsbereichs Werke, Werk Görlitz-Mitte. Werkleiter wurde Siegfried Siebenhaar.
Für die Arbeitnehmervertretung wurde nun ein Übergangsbetriebsrat gewählt, Vorsitzender wurde Andreas Dalbkermeyer.
In der nachfolgenden BR-Wahl wurde er von Siegfried Kruner abgelöst.
Der Wagenpark bestand 1994 aus 197 Reisezugwagen plus 58 Wagen der Schmalspur.
Ab Winterfahrplan 1994/95 wurden die Inter Regio-Reisezugwagen
vom Bahnhof Görlitz abgezogen und anderen Dienststellen zubeheimatet.
Der Wagenpark bestand aus 130 Reisezugwagen plus 58 Wagen der Schmalspur Zittau.
Am 1. Januar 1996 löste Matthias May den Werkleiter Siegfried Siebenhaar ab.
Am 1. Februar 1996 wurde die Zittauer Schmalspurbahn ausgegliedert.

Verabschiedung von Peter Emrich und Egon Mix
in den Vorruhestand, 30. November 1996.
Fotos: Klaus Neumann

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Werksansicht 1

Werkstatt Löbau,
an der Weißenberger Straße. 1998


Werksansicht 2


Werksansicht 3

Werksansicht 4

Werksansicht 5

Werksansicht 6

Blick in die Werkstatt

Barackenkomplex

Radsatzlager

Störungssuche


Das Ende
Im Oktober 1997 wurden verstärkt Vorbereitungen getroffen, um die Ausbesserung der Reisezugwagen in das Bw Görlitz zu verlagern. Im November 1997 erfolgte die Schließung der Güterwagenausbesserungsstelle (Was) Görlitz.

Am 1. April 1998 beging die Werkstatt Löbau das 80-jährige Bestehen. 
66 Personen nahmen an der Feierstunde am 5. Juni 1998 teil und nahmen gleichzeitig Abschied vom IHREM Bww Löbau. 

 Feier zum 80-jährigen Bestehen des Bww Löbau am 5. Juni 1998

 

Jubiläumsglas
70 Jahre Bww Löbau 

Jubiläumskrug
80 Jahre Bww Löbau

Bw Görlitz,
Reichenbacher Str. 1

Im Herbst 1998 wurde das Bww Löbau vollständig hierher verlagert und in
-Werk Görlitz- umbenannt.  

Seniorentreff im Werk Görlitz, 2000
*

Löbau, Elisenstraße 2. Die Büros vom
Leiter der Dienststelle wurden 1998 beräumt und in das Bw Görlitz verlagert. 

*

Der gesamte Werkstattkomplex in Löbau an der Weißenberger Straße  wurde im Jahre 2000 beseitigt

Heute erinnert fast nichts mehr an das Bahnbetriebswagenwerk Löbau

*Der Güterbahnhof Löbau

Literatur über das Bahnbetriebswagenwerk Löbau

Der Löbauer Güterbahnhof im Jahre 2008 und heute

Eintrag und Einsicht in das Gästebuch  
für Freunde und ehemalige Mitarbeiter des Bww Löbau.